Julian Barnes, Der Lärm der Zeit

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Der Pädagoge, Pianist und Komponist Dimitri Dimitrijewitsch Schostakowitsch war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. 1937 wartet er ein halbes Jahr lang Nacht für Nacht im Treppenhaus, nur mit einem Mantel bekleidet und einem Koffer in der Hand, dass die Männer des NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) ihn verhaften. Er tut dies, um seiner Familie den Anblick seiner Verhaftung zu ersparen. Anlass zu diesem Handeln war die Aufführung von „Lady Macbeth von Mzensk“. Stalin, der sich für seine Musik interessierte, verließ nach der Pause das Theater. Ein schlechtes Zeichen für den Künstler. Von jetzt an ist Schostakowitsch der Willkür des Staates ausgesetzt und zum Abschuss freigegeben. Mit viel Glück entgeht er der Säuberungsaktion des Systems. Doch was bedeutet es für einen Künstler, keine Entscheidung frei treffen zu können? Wie ist das Verhältnis von Diktatur und Kreativität zueinander? Wie ist Kunst und Unterdrückung zu vereinbaren und wie fühlt sich Verrat an, wenn man sich der Macht beugen muss, um künstlerisch arbeiten zu können?

Der Autor versteht es gekonnt, diese Fragen in seinem Roman zu verarbeiten. Hier wird dem Leser die Widersprüchlichkeit des künstlerischen Charakters nahegebracht. Gleichzeitig wird eine neue Perspektive auf die stalinistische Epoche vermittelt. Der Roman „Lärm der Zeit“ liest sich wie ein Psychokrimi, eine Biographie oder ein Essay über die Kunst. Aber insbesondere kann man es auch als interessanten Denkanstoß über das Verhältnis Musik und Macht in Diktaturen lesen.

Julian Barnes
Der Lärm der Zeit
Verlag Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04888-9
256 Seiten
EUR 20,00

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