Arno Geiger, Unter der Drachenwand

Geiger

Arno Geiger lässt den 24-jährigen Soldaten Veit Kolbe als Tagebuchschreiber zu Wort kommen. „In einem noch von der Front stammenden Automatismus wollte ich das Gewehr ablegen und erschrak, als ich den Riemen an der Schulter nicht fand. Ich hatte weiche Knie und zitterte, für einen Moment war alles aufgehoben. Zeit, Distanz, es gab kein Dazwischen, nichts, was mich beschützte.“

Veit Kobe ist über die Folgen des Krieges erschrocken. Sein Körper leidet, aber am meisten macht ihm die Psyche zu schaffen. An der Front hat er den Krieg nicht als so furchtbar empfunden, aber jetzt im Heimaturlaub holen ihn die Ereignisse ein. Es sind Angstanfälle, die ihm den Schweiß auf die Stirn treiben. Als er einen Arzt aufsucht, muss er feststellen, dass der sein Trauma nicht versteht. Stattdessen verschreibt man ihm das Medikament Pervitin, ein Aufputschmittel. Tausende Soldaten haben im zweiten Weltkrieg dieses Medikament geschluckt, das heute unter dem Namen Crystal Meth bekannt ist. Während seines Genesungsurlaubs, den Veit am Mondsee verbringt, lernt er eine junge Frau namens Margot kennen. Durch sie lernt er die Liebe und die Schule des Lebens kennen. Dies befähigt ihn, auch Nein zu sagen und seine Meinung offener zu äußern.

Arno Geiger hat einen sehr einfühlsamen und wichtigen Roman über einen jungen Menschen und die Ahnungslosigkeit zum Krieg geschrieben. Der Mensch verändert sein Wesen durch die zerstörerische Kraft des Krieges und lässt ihn oft gegen die Gewalt abstumpfen. Jeglicher Krieg hinterlässt Narben in den Seelen der Menschen. Deshalb ist dieses Buch von großer Aktualität.

Arno Geiger
Unter der Drachenwand
Hanser Verlag
ISBN: 978-3-446-25812-9
480 Seiten
26,00 EUR

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