Stefan Bollmann
Frauen und Bücher

BollmannFrauen lesen süchtig, weil sie auf der Suche nach Neuem sind. Lesen ist für sie Suchbewegung nach Lebendigkeit, gleichzeitig möchten sie die Begrenzung des Alltagslebens sprengen. Hier einige Beispiele lesender Frauen:

Die Schriftstellerin und Feministin Jeanette Winterson sagt es so: „Ein Buch gibt nicht mich wieder, es definiert mich neu.“ „Ich möchte lesen, bis ich schwarz werde“, erklärt Virginia Woolf 1897 im Alter von 19 Jahren ihrem älteren Bruder Thoby. Dieser studierte zu dieser Zeit in Cambridge, während sie in der väterlichen Bibliothek schmökerte. 50 Jahre zuvor jubelte die Dichterin Elizabeth Barrett Browning „Und wie ich es schlagen hörte / Unter meinem Kissen, im Dunklen des Morgens / Eine Stunde bevor die Sonne mich lesen ließ / meine Bücher, mein Herz!“

Anfang des 19. Jahrhunderts lässt Jane Austen einen Mann folgenden Satz in einem ihrer Romane sagen: „Ich lese nie Romane, ich habe Besseres zu tun“ und fällt damit ein Urteil über das Leseverhalten der Männer. In ihren Augen finden nur diejenigen Figuren Gnade, die sich zum Lesen eines Romans bekennen und das sind in der Mehrzahl Frauen. Caroline Schlegl-Schelling, wohnhaft in dem Provinzstädtchen Clausthal, wohin sie ihre erste Ehe geführt hat, klagte 1786 in einem Brief an ihre Schwester, die regelmäßig eine Bücherbotin an sie schickte: „Ich vertrockne seit einiger Zeit, weil all meine Bücherquellen sich verstopfen.“ Und im Jahre 1730 erinnert sich eine der ersten deutschen Dichterinnen Anna Louisa Karsch: „Ich verstecke meine Bücher unter verschwiegenen Schatten eines Holunderstrauches und versuche von Zeit zu Zeit, mich in den Garten zu schleichen, um meiner Seele Nahrung zu geben.“ Ihre Mutter hatte ihr das Lesen verboten, weil sie befürchtete, ihre Tochter würde darüber verrückt werden. Die Wahrheit war jedoch, dass sie die Heranwachsende für Hausarbeiten brauchte. In unserer Zeit ist diese Reaktion unvorstellbar. Zum Glück haben wir die Freiheit des Lesens. Der Autor Stefan Bollmann hat eine vergnügliche und interessante Lektüre über Frauen und das Lesen geschrieben. Er führt uns durch die Jahrhunderte schreibender Frauen und sucht sich berühmte Frauen aus, die in Büchern eine Verwandlung ihrer selbst erlebten.

Stefan Bollmann
Frauen und Bücher
ISBN: 978-3-442-74980-5
btb Verlag, 448 Seiten
12,99 EUR

 


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