Martin Windrow, Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank

eule

Der Militärhistoriker Martin Windrow hat seine Alltagserlebnisse mit seiner Eule Mumble in einem Buch festgehalten. Alles begann mit der fixen Idee, eine Eule als Haustier zu halten. Und so bekommt er durch Beziehungen zu einer Eulenzucht einen Jungvogel. Zwischen den beiden ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Käuzchen ist ausgeglichen und zutraulich, zwickt ihn sanft ins Ohr und reibt den Schnabel an seiner Wange. Wenn es mit dem Fressen fertig ist, braucht es seine Spieleinheiten. Die Schnürsenkel in den Schuhen sind nicht vor ihm sicher und werden mit Freuden gejagt. Den Hauptteil des Tages aber ruht sich das Tier aus. Das Zusammenleben gestaltet sich in einer Etagenwohnung jedoch nicht so einfach, zumal der Vermieter von dem kleinen Hausgenossen nichts wissen darf. Zwar macht dieses keine Federknäuel viel Spaß, aber da Eulen nicht stubenrein sind, müssen Möbel und Wände abgeklebt werden, um die Folgen des „Schießens“, der Ausscheidungen der Eule abzumildern. Durch die Beobachtungsgabe des Autors erfahren wir viel über die Eulen und ihr Verhalten. Unter ihren flaumigen Federn verbirgt die Eule ihre Krallen. Durch ihr stundenlanges Stillsitzen und ihre versunkene, nachdenkliche Haltung geht ihr von jeher der Ruf großer Weisheit voraus. Aber dennoch war sie Menschen auch unheimlich. Die Eule haust normalerweise in alten Ruinen und Türmen und gibt gruselige Laute von sich. Sie nähert sich ihrer Beute lautlos, weswegen sie im Volksmund den Ruf eines Unglücksvogels oder sogar der des Todesboten hat. Der Autor beschreibt die Gemeinschaft mit seinem Kauz Mumble mit sehr viel Wärme und Zuneigung. Seine Beobachtungen sind sehr detailliert und mit britischem Humor gewürzt. Nach diesen Schilderungen wäre doch eine Seelenverwandtschaft zwischen Mensch und Tier nichts Ungewöhnliches mehr.

Martin Windrow
Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-30788-8
314 Seiten
EUR 10,00