Lorenzo Marone
Der erste Tag vom Rest meines Lebens

MaroneWas würden Sie tun, wenn Sie feststellen „Ich habe mein Leben vergeudet“? Eine Antwort hierfür gibt Buch „Der erste Tag vom Rest meines Lebens“. Der Autor arbeitete zehn Jahre als Anwalt in Neapel, bis er sich entschloss, seinen Lebensunterhalt mit Schreiben zu verdienen. Dies ist sein erster Roman, mit dem er sofort die Herzen der italienischen Leser eroberte. Es geht um Cesare Annunziata, einem 77-jährigen Mann, der von sich behauptet, 73 Jahre seines Lebens verplempert zu haben. Er beschließt, sein Leben zu ändern. Seit dem Tod seiner Frau Caterina und dem Auszug seiner Kinder wohnt er alleine in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses. Seine Nachbarn sind gestrandete Seelen wie er, die das Leben aussortiert hat. Zum Beispiel die ehemalige Lehrerin, die aus ihrer Wohnung ein Katzenasyl gemacht hat. Oder der freundliche Marino, der durch den Tod seiner Frau die Lebenslust verloren hat und nun sein Appartement nicht mehr verlässt. Eines Tages zieht ein junges Ehepaar in das Haus ein und plötzlich verändert sich für die Rentner alles. Emma, so heißt die junge Frau, läuft oft mit einer Sonnenbrille herum und die drei vermuten, dass sie oft geprügelt wird. Sie hecken deshalb einen Plan aus, wie sie Emma helfen können. Besonders Cesare mag die hübsche Frau, obwohl er sonst eher kaltschnäuzig ist und seine Gefühle nicht zeigen kann. Rückblickend erzählt Cesare uns, dem Leser, seine Geschichte und stellt sich dabei nicht sehr positiv dar. Seinen Kindern gegenüber ist er oft ungerecht und voller Kritik. Mit seiner Tochter Sveva, die eine erfolgreiche Anwältin ist, muss er bei jedem Zusammentreffen streiten. Sein Sohn David ist Galerist und seit Cesare ihn in einem korallenroten Hemd gesehen hat, erwartet er, dass er sich outet. Es dauert sehr lange, bis Cesare seinen Kindern mitteilt, dass er sie über alles liebt, obwohl er sie ständig kritisiert. So lernen wir einen rüstigen alten Herrn kennen, der in Emma eine warmherzige Freundin gegen die Einsamkeit des Alters gefunden hat. Er ist ein sympathisches Schlitzohr, aber auch ein Verwandlungskünstler, wenn es darum geht, eine brenzlige Situation zu meistern. Da schlüpft er schon mal in die Rolle des Polizeipräsidenten a.D. oder eines 3-Sterne Generals. Seiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und sein Repertoire ist unerschöpflich.

Cesare ist ein liebenswerter Kotzbrocken, der voller Weisheit und Überraschungen steckt und beim Überdenken seines Lebens immer ehrlich mit sich selbst ist. Er zeigt uns, dass es ohne den Ernst des Lebens keine Freude geben kann.

Ein Roman für die Lachfalten, aber auch für feuchte Augen. Wenn Ihnen der „Hundertjährige“ gefallen, ist vielleicht auch Cesare ihr Buchheld.

 

Lorenzo Marone
Der erste Tag vom Rest meines Lebens
ISBN: 978-3-86612-396-0
Pendo Verlag, 288 Seiten
EUR 16,99