Klaus Modick, Konzert ohne Dichter

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In Worpswede wurde 1889 eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Künstlern des Jugendstils, des Impressionismus und des Expressionismus gegründet. Dieser Ort bot den Künstlern neben dem besonderen Licht, den ländlichen Motiven und der markanten Landschaft auch die Gelegenheit, ihre romantische Sehnsucht nach bäuerlicher Idylle und einem einfachen, naturverbundenen Leben zu stillen.

In seinem Roman „Konzert ohne Dichter“ erzählt Klaus Modick von dem Mythos Worpswede um 1900. Heinrich Vogeler, Künstler, Innenarchitekt und Illustrator steckt in einer seelischen Krise. Er möchte weg von seinem Anwesen Barkenhof, von seiner einstmals geliebten Frau Martha, die für ihn auch künstlerische Inspiration war. Selbst die Freundschaft zu seinem Seelenverwandten Rainer Maria Rilke ist nur noch eine Farce. Aber was ihn am meisten unzufrieden macht, ist seine Kunst. Alles was er geschaffen hat, das Florale, Märchenhafte bedeutet ihm nichts mehr. Er spürt den Verfall in allen Bereichen seines Lebens und stellt sich die Frage: will ich das eigentlich noch? Welchen Preis zahle ich? Was kostet mich der Erfolg? 1905 kam für Vogeler endgültig die Zeit, um von dem Märchen Worpswede aufzuwachen und der Wirklichkeit ins Auge zu blicken. Dieser Roman beruht sowohl auf den Werken, Tagebüchern und Briefen Rilkes, aber auch auf den fragmentarischen Lebenserinnerungen Heinrich Vogelers. Anfangs lagen beide auf gleicher künstlerischer Wellenlänge, doch auf der menschlichen Ebene gab es große Unterschiede, Rilke, der selbstverliebte und eigensinnige Dichter und Vogeler, der zweifelnde Universalist. Da der Roman aus der Sicht Vogelers erzählt wird, bekommt der Leser einen tiefen Einblick in seine Reflexionen und Gefühle und kann den stetigen Verfall der Freundschaft miterleben.

Klaus Modick
Konzert ohne Dichter
Kiwi Taschenbuch
ISBN 978-3-462-04990-9
228 Seiten
EUR 9,99