Isabel Allende
Der japanische Liebhaber

AllendeIsabel Allende ist ihren Lesern als sprachgewaltige und feinfühlige Autorin bekannt. In ihrem Roman „Das Geisterhaus“, einer Familiensaga, führt sie uns mir ihrer großartigen Fabulierkunst durch eine Zeit, in der persönliches Schicksal und politische Gewalt miteinander verbunden sind. In ihrem Roman „Paula“, wohl ihr ergreifendstes und menschlichstes Buch, schreibt sie über die Krankheit ihrer Tochter. Es entstand, damit sie die Hoffnung in dieser für sie so schweren Zeit nicht verlor, aber auch, um immer eine Erinnerung an ihre Tochter zu haben.

In ihrem neuen Buch schreibt sie stimmungsvoll über eine Liebe, die weit in die Vergangenheit reicht: Alma Belasco, eine sehr wohlhabende Dame, entschließt sich, ihren Lebensabend in einer Altenresidenz zu verbringen. Sie gibt ihren Luxus in ihrem großen Haus auf und will nur mit dem Nötigsten leben. Irina, eine junge Frau aus Moldawien, arbeitet in dieser Altenresidenz als Betreuerin. Eines Tages erhält sie die Gelegenheit, einige Stunden für Alma zu arbeiten. Nach anfänglichem Zögern entwickelt sich bald eine enge Vertrautheit und sogar Freundschaft. Durch diese Nähe erzählt sie Irina und ihrem Enkel Seth, der häufig seine Großmutter besucht, aber sich in Irina verliebt hat, die Geschichte ihres Lebens. Alma wurde im Jahre 1939 als kleines Mädchen von Danzig nach Kalifornien geschickt, um vor dem Krieg und der Judenverfolgung in Sicherheit zu sein. Alma litt sehr unter Heimweh und versteckte sich immer in einem Schrank, wo sie eines Tages ihr Cousin Nathaniel fand. Zwischen beiden entstand eine Seelengemeinschaft, die ein ganzes Leben dauern sollte. Auch Ichimei, der Sohn des japanischen Gärtners, wurde ihr Gefährte in dieser Zeit und auch diese Freundschaft sollte bis zum Lebensende halten. Beide Menschen gaben ihr immer wieder Kraft und Hoffnung, ihr Heimweh zu vergessen.

In diesem Buch beschreibt Isabel Allende nicht nur die gefühlvolle Geschichte einer Frau, die ihre Liebe lebt, sondern sie setzt sich leise, aber nicht minder kritisch mit gesellschaftlichen Probleme und dem damit verbundenen Unrecht auseinander. So übt sie nicht nur Kritik an der Judenverfolgung der Deutschen im 2. Weltkrieg, sondern auch an der Internierung der in den USA lebenden Japanern. Es ist ein Roman mit Licht und Schatten, geschrieben von einer großartigen Autorin.

 

Isabel Allende
Der japanische Liebhaber
ISBN 978-3-518-42496-4,
Suhrkamp Verlag, 336 Seiten
EUR 21,95