Brigitte Glaser, Bühlerhöhe

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Bundeskanzler Konrad Adenauer will 1952 ein Wiedergutmachungsabkommen mit Israel schließen, das aber nicht von allen mit Zustimmung aufgenommen wird. Deshalb planen verschiedene Organisationen ein Attentat auf den Bundeskanzler, der zu dieser Zeit im Hotel Bühlerhöhe im Schwarzwald seinen Urlaub verbringen will. Die Jüdin Rosa Silbermann lebt in einem Kibbuz in Israel, wohin sie in den dreißiger Jahren mit ihrer Schwester emigrierte. Da Rosa, die für den israelischen Geheimdienst arbeitet, die Umgebung und das Hotel aus ihrer Kindheit kennt, wird sie auf die Bühlerhöhe geschickt, um dort für die Sicherheit des Bundeskanzler zu sorgen. Im Hotel trifft Rosa auf die herrische Sophie Reisacher, die als Hausdame ein strenges Regiment führt. Vom ersten Augenblick an beobachtet sie Rosa mit Argwohn. Dieses Buch ist kein üblicher Agentenroman, da das Attentat auf Adenauer, nicht im Mittelpunkt der Handlung steht, sondern einen politischen Hintergrund zu der Handlung darstellt. Es geht vielmehr um zwei Frauen, Rosa und Sophie und ihre unterschiedlichen Charaktere. Rosa ist keine richtige Agentin und wurde nur sehr oberflächlich auf ihren Job vorbereitet. Durch ihre daraus resultierende Unsicherheit macht sie sich bei Sophie verdächtig. Sophie hat einen ganz anderen Charakter. Sie ist herrschsüchtig und nur auf ihren Vorteil bedacht. Durch Heirat möchte sie eine gesellschaftliche Position erringen. Doch mit ihrer machthungrigen Art gerät sie immer wieder an die falschen Männer und trifft somit auch keine guten Entscheidungen. Am Beispiel von Sophie wird auch die Rolle der Frau in den fünfziger Jahren deutlich. Der Roman schildert wichtige Themen der Nachkriegszeit, die für uns heute noch interessante Aspekte darstellen, um diese Generation besser in ihren Handlungen verstehen zu können. Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte in Romanform.

Brigitte Glaser
Bühlerhöhe
Pendo Verlag
ISBN 978-3-471-35126-0
448 Seiten
EUR 20,00