95 Anschläge. Thesen für die Zukunft. Hrsg.: Friederike v. Bünau / Hauke Hückstädt S. Fischer Verlag

Anschläge

Vergangenheit und Zukunft prägen unser geschichtliches Verständnis. Hier finden wir oft zeitgleiche Wiederholungen von Ereignissen. Wir gehen 500 Jahre in die Geschichte zurück. 1517 verfasste Luther 95 Thesen mit denen er den damaligen Ablasshandel kritisierte. „Man kann sein Seelenheil nicht mit Geld erkaufen, denn dann ist der moralische Anspruch verwirkt.“ 500 Jahre später gibt es zwar den Ablasshandel nicht mehr, aber auch heute sind die 95 Thesen von damals aktuell und lebendig, als Möglichkeit der gesellschaftlichen Veränderung und des moralischen Aufbruchs.

Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt und Friederike von Bünau von der Kulturstiftung der evangelischen Kirche, ist mit diesem Buch ein großartiges Experiment gelungen. In Anlehnung an Luthers 95 Thesen haben sie Mitstreiter für die Thesen des 21. Jahrhundert gefunden. Jeder einzelne Text ist lesenswert. Hier ein paar Beispiele: der deutsche Schauspieler Edgar Selge, fordert Ruhe als Bedingung für Kreativität, denn Schuld an dem Unglück der Welt, so zitiert er Blaire Pascal, ist die Unfähigkeit des Menschen, ruhig in seinem Zimmer zu bleiben. Caroline Link, Regisseurin von „Jenseits von Afrika“ fordert „Perspektivwechsel“ als Schulfach, z.B. Reisen nach Marrakesch oder einen anderen Ort, um interkulturelle Kompetenz zu erlernen. Die Thesen dieses Buches haben besonders da Gewicht, wo der Begriff Freiheit eine große Rolle spielt.

95 Anschläge.
Thesen für die Zukunft.
Hrsg.: Friederike v. Bünau / Hauke Hückstädt
S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-397292-4
285 Seiten
EUR 20,00

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